Was ist MBSR?


Eine fröhliche Frau steht gelassen und achtsam inmitten einer vorbeieilenden Menschenmenge

©iStock.com/Chris Schmidt

Die Abkürzung „MBSR“ steht für die englischen Worte Mindfulness-Based Stress Reduction, was mit „Stressabbau durch Achtsamkeit“ übersetzt werden kann. MBSR wurde 1979 vom Molekularbiologen Dr. Jon Kabat-Zinn in den USA entwickelt.

Es handelt sich bei MBSR um ein weltanschaulich neutrales Achtsamkeitstraining. Man sollte jedoch wissen, dass eine auf Achtsamkeit basierende Meditationspraxis schon über 2000 Jahre alt ist und hauptsächlich aus der buddhistischen Tradition stammt. Laut Kabat-Zinn bedeutet Achtsamkeit „auf eine bestimmte Art aufmerksam zu sein: bewusst, im gegenwärtigen Augenblick und ohne zu urteilen.“ (Im Alltag Ruhe finden, Knaur, 2010, S. 18). Alleine am von Jon Kabat-Zinn gegründeten Center for Mindfulness in den USA haben bislang mehr als 20.000 Menschen an einem 8-Wochen-Kurs teilgenommen. Weltweit sind es noch deutlich mehr.

Warum sollte ich mich mit MBSR / Achtsamkeit beschäftigen?

Stress und Hektik, das Gefühl, von den Lebensumständen getrieben zu werden – wer kennt das nicht? Wir fühlen uns wie Gefangene im Hamsterrad des Alltagstrotts und suchen nach einem Ausweg hin zu mehr Ruhe, Frieden und Gelassenheit. Dabei merken wir oftmals gar nicht, wieviel Stress wir uns selber machen.

Unmengen von Gedanken kreisen tagtäglich durch unseren Kopf. Wir beschäftigen uns mit der Vergangenheit, häufig mit einem Gefühl des Bedauerns verbunden („Ach, hätte ich doch…“), oder mit der Zukunft, um die wir uns so gerne sorgen oder die wir glorifizieren. Doch wir wissen allzu oft noch nicht einmal, wo wir mit unseren Gedanken gerade sind. Wir fahren bevorzugt im gedanklichen Autopilot, ohne Bewusstsein für die Dinge, die in unserem Leben passieren. Genau hier setzt MBSR / Achtsamkeit an.

Wie wirkt MBSR?

Mit MBSR trainieren wir, die Aufmerksamkeit auf das zu lenken, was jetzt ist. Wir bemerken auf einmal, was in uns vorgeht. Wir registrieren unsere Gedanken, Gefühle, Körperempfindungen. Und wir lassen sie zu, ohne sie zu bewerten. Dies klingt paradox, weil wir gewohnt sind, alle Dinge mit „gut“, „schlecht“ oder „unbedeutend“ zu klassifizieren und in automatischen Aktionismus zu verfallen. Es ist aber genau diese nicht-urteilende, liebevolle Annahme des Hier-und-Jetzts, auf der die nachhaltige Wirksamkeit von MBSR / Achtsamkeit beruht.

Wir rollen den Willkommensteppich aus und öffnen uns für das Leben: für alle angenehmen, unangenehmen und neutralen Erfahrungen. So bekommen wir allmählich ein klareres Bild von uns selbst und unseren Lebensumständen und können aus diesem Verständnis heraus angemessener und wirkungsvoller agieren.

Welchen Nutzen hat MBSR?

MBSR ist umfangreich klinisch erforscht worden. Es gibt viele wissenschaftliche Publikationen, die sich mit MBSR / Achtsamkeit beschäftigen. Die Untersuchungen haben gezeigt, dass MBSR eine Chance ist für…

  • eine bessere Eigenwahrnehmung von Körperempfindungen, Gefühlen und Gedankenmustern
  • einen souveräneren Umgang mit Stresssituationen
  • einen besseren Schutz vor Burnout und ähnlichen Syndromen
  • mehr Gelassenheit, Klarheit, Energie und Lebensfreude
  • ein größeres Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten
  • mehr Entschleunigung im privaten und beruflichen Alltag
  • ein ausgeglichenes Verhältnis von Sein und Tun
  • mehr Kreativität im Leben

Mit MBSR stärken wir Selbstverantwortung und Selbstfürsorge und übernehmen so wieder Handlungskompetenz für unser eigenes Leben. MBSR ist eine Methode, Achtsamkeit auf vielfältige Art zu erfahren, eine Schulung für eine neue Art zu sein, eine Herzenspraxis für ein achtsames und mitfühlendes Leben.